Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen

Körperschaft des öffentlichen Rechts

Referenten für Öffentlichkeitsarbeit


Dr. Jens Vaterrodt

Referent

Flugplatzstraße 27, 55126 Mainz
Tel.-Praxis: 06131-471190
E-Mail: bzk.rheinhessen@bzkr.de


Dr. Boris Henkel

stv. Referent

Heiligkreuzweg 6, 55130 Mainz
Tel.-Praxis: 06131-85061
E-Mail: mail@mainzdent.de


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75+1 Jahre Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen

Festakt am 24.09.2021 & Jubiläumsfortbildung am 25.09.2021

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von links im Bild:

Dr. Wilfried Woop, Präsident der LZK RLP
Dr. Andrea Habig-Mika, Vorsitzende BZKR
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Stadt Mainz
PD Dr. Dan Brüllmann, stv. Vorsitzender BZKR
ZA Marcus Koller, Vorsitzender KZV RLP

Nach der Pandemie-bedingten Verzögerung von einem Jahr, konnte am 24. September 2021 die Feier zum 75jährigen Jubiläum der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen nachgeholt werden. Über hundert Gratulanten aus nah und fern fanden sich hierfür in der Alten Lokhalle in Mainz ein, um auf dieses bedeutende Ereignis im Rahmen eines Sektempfanges mit Festakt anzustoßen.

In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Michael Ebling die Tugenden, die dafür nötig waren, um in den vom Krieg hinterlassenen Trümmern, wovon gerade besonders Mainz gezeichnet war, Aufbauarbeit zu leisten: Geduld, Flexibilität, Entschlossenheit und Zuversicht. Schließlich, so der OB, habe es an allem gefehlt. Um Mainz zu einem renommierten Gesundheitsstandort zu machen, sei ein hoher Einsatz nötig gewesen, den auch viele ehrenamtlich tätigen Persönlichkeiten geleistet hätten.

Ebling stellte fest, dass Mainz auf dem Sektor der medizinischen Versorgung hervorragend aufgestellt sei, auch dank bahnbrechender Erfindungen. In diesem Zusammenhang erwähnte er den schon immer hier ansässigen Innovationsgeist und schlug einen großen Bogen von Gutenberg bis hin zu BioNTech. Dabei, so der OB, gingen auch Zahnärzte und Zahnärztinnen neue Wege.

Im Anschluss an die Worte des Oberbürgermeisters folgte der Vortrag des Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. Wilfried Woop. Er hob hervor, dass im Vorfeld der BZKR zunächst die „Zahnärztlich-Dentistische Arbeitsgemeinschaft“ stand, deren Urheber Dr. Fritz Gödtel aus Wöllstein war. Bald darauf habe mit dem Ende des Dualismus von Zahnärzten und Dentisten, die eigentliche Geburtsstunde der BZKR geschlagen.

Doch zunächst wies Woop auf die Ursprünge der ärztlichen Selbstverwaltung hin, an die sich später die zahnärztliche anlehnte. In einem geschichtlichen Rückblick stellte er fest, dass diese bereits vor ca. 160 Jahren, im Großherzogtum Baden 1864 begann, als nach der gescheiterten Revolution 1848 Ärzte für sich das Recht zur Selbstverwaltung gegen den Obrigkeitsstaat behaupteten und sich dies im weiteren Verlauf für alle Seiten als sinnvoll herausstellte. Das Recht auf Eigenständigkeit, so Woop, beinhaltete sogleich die Pflicht, im Spannungsfeld von Interessenvertretung und Gemeinwohl, die Bevölkerung im Rahmen der Gesundheitsversorgung nicht wirtschaftlich zu überfordern.     

Woop führte weiter aus, dass diese Gemeinwohlverpflichtung eine „zentrale Richtschnur“ sei, an der sich die Freiberuflichkeit zu orientieren habe. In diesem Zusammenhang, die Pflichten der Freiberuflichkeit betreffend, zitierte Woop aus einem früheren Editorial den ehemaligen BZKR-Vorsitzenden und Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zahnärzte, Dr. Horst Sebastian: „Manch einer vergisst, dass Freiheit ohne Treue zur eingegangenen Verpflichtung und ohne Verantwortung für die Gesellschaft nicht möglich ist“.

Diese mahnenden Worte im Sinn, wagte Woop einen Blick in die Zukunft: Es gelte, sich den heutigen Aufgaben zu stellen und vor dem Hintergrund des ständigen Wandels von Gesellschaft, Demografie und EU-Vorgaben, die Selbstverwaltung ständig zu verbessern und damit den Berufsstand mit zu gestalten. Zum Abschluss seiner Rede betonte Woop, es seien herausfordernde Zeiten, die es zu gestalten gebe und dabei spannend und lebenswert seien. Dabei spiele zugleich die Tradition eine tragende Rolle.

Die daran anschließende Festansprache hielt die Vorsitzende der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen, Frau Dr. Andrea Habig-Mika. Sie begann ihren Vortrag in Anlehnung an die Worte des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim anlässlich des 50jährigen Bestehens der Ärztekammer Nordbaden, dass am Anfang Untergang, Versagen und Schuld gestanden habe und auf den Schuttbergen Neues errichtet worden sei. Sie erinnerte an jenen Mittwoch, den 03. Oktober 1945, als nach Genehmigung durch die französischen Besatzer, die neu gegründete BZKR mit dem politisch unbelasteten Dr. Fritz Gödtel an ihrer Spitze, den Weg in die Selbstverwaltung begann.

Die Geschäftsstelle, so Habig-Mika, sei zunächst eine Privatwohnung gewesen, von wo aus alles zu erledigen war, was die Verwaltungsarbeit betraf. Diese Gründungszeit, so Habig-Mika, sei auch geprägt gewesen von der Aufgabe, Dentisten und Zahnärzte zusammenzuführen. Erstere warfen den akademisch ausgebildeten Zahnärzten einen Mangel an technischem Verstand vor, wobei jene den Dentisten Defizite in der Chirurgie vorhielten. Doch im Jahr 1952 sei mit der Umsetzung des Zahnheilkundegesetzes der Dualismus durch ein Kurzstudium der Dentisten und der damit zu erlangenden einheitlichen Berufsbezeichnung „Zahnarzt“ beendet worden.

In ihrer Rückschau betonte Habig-Mika noch einmal die Verdienste des im Jahr 1986 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden Dr. Horst Sebastian, mit dem eine neue Ära in der Selbstverwaltung begonnen habe und hob dabei sein politisches Geschick, taktisches Gespür und seine Intelligenz gepaart mit einer ebenso besonderen Verantwortung für das Gemeinwohl hervor.

Als Leitgedanke zu den Aufgaben der Zahnärzteschaft im Rahmen ihrer Selbstverwaltung führte die Vorsitzende aus, dass Ergebnisse nicht vom Handeln anderer abhängig zu machen seien, sondern von den Zahnärzten selbst. Dabei seien Eigenverantwortung, persönliche Unabhängigkeit, Selbstkontrolle und ein Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit unabdingbar, um einer Instrumentalisierung durch andere Berufsgruppen zu begegnen.

Dr. Habig-Mika war es ein wichtiges Anliegen, auch die Nachfolger von Dr. Sebastian, nämlich Dr. Bernd Stern und Dr. Klaus Bernauer, den Ehrenvorsitzenden der BZKR und auch Sanitätsrat Dr. Rüdiger Krebs, den ehemaligen Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, als ebensolche Vorbilder der Freiberuflichkeit mit aufzuzählen.

In der Schlussphase ihres Vortrages appellierte die Vorsitzende an die Anwesenden, die damit verbundenen Werte nicht verloren gehen zu lassen und die Kammer als unverzichtbare Institution der Selbstverwaltung und damit als ein wichtiges Privileg zu begreifen. Dieses Privileg erfordere die solidarische, gemeinschaftliche Mitwirkung aller. Nur so könne sie alle ihre umfassenden Aufgaben im Sinne der Zahnärzteschaft erfüllen. Sie beendete ihre Ausführungen mit einem Dank an alle, die sich in die Arbeit der Kammer einbringen.

Nachdem nun die Redebeiträge der mit viel Applaus bedachten Laudatoren abgeschlossen waren, schloss sich noch ein abschließender Vortrag der Moderatorin Patricia Küll an, die zuvor in lebendiger Art durch das Programm geführt hatte. Sie verließ nun diesen Part und schlüpfte in ihre neue Rolle als Coach.

Patricia Küll, vielen bereits bekannt aus der SWR-Landesschau, Buchautorin und Ratgeberin, widmete sich in ihrem Beitrag dem Thema „Entscheidungen treffen“. Die „Kraft der guten Entscheidung“ hob sie als wichtigen Faktor von Lebenszufriedenheit hervor und gab dazu Beispiele aus der Gesellschaft, sowie auch aus eigener Erfahrung. In einer heiteren, interaktiven Vortragsart verdeutlichte sie, dass es nicht darauf ankomme, dass eine Entscheidung „perfekt“, sondern der Situation angepasst und damit richtig sei. Dafür dürfe man sich nicht selbst mit eigenen, vielleicht überhöhten Ansprüchen im Wege stehen, sondern solle die Verhältnismäßigkeit berücksichtigen. Mit humorvollen Zwischeneinlagen unterstrich sie, dass auch Fehlentscheidungen von Wert sein könnten, denn „Umwege erhöhen die Ortskenntnisse“. Sie stellte dabei aber auch klar, dass wir „mehr in der Hand haben, als wir glauben“. Ihren unterhaltsamen Beitrag schloss Küll mit einer Weisheit, die auch im Hinblick auf die Wahl zwischen freiberuflicher Selbstverwaltung oder staatlicher Bevormundung und die daraus sich ergebenden Konsequenzen als vielsagend gelten kann: „Ein Wunsch ist nichts, aber eine Entscheidung ist alles!“

Die wohlorganisierte, gelungene Festveranstaltung klang aus mit jazzigen Rhythmen der Gruppe „Swinging Soul“, sowie guten Gesprächen bei rheinhessischem Wein.

 

Dr. Boris Henkel
stellv. Öffentlichkeitsreferent BZKR



Am Samstag, dem 25. September 2021 fand der zweite Teil der Festlichkeiten zum 75+1. Jahr des Bestehens der BZK Rheinhessen in Form einer Jubliäumsfortbildung in der Alten Lokhalle in Mainz statt.

Den Anfang rund um das Thema „High-Tech & Innovationen in der Zahnmedizin“ machte Prof. Dr. Breuer aus Berlin mit seinem Vortrag „Innovationen in der Zahnmedizin allgemein“ und stellte klar, dass mit Digitalisierung nicht allein die Verwendung eines Intraoralscanners in der Zahnmedizin gemeint sein kann. Demographie, zahnärztliche Ausbildung, ein veränderter Dentalmarkt, die sich verändernden Praxisstrukturen und eben auch der Digitalisierungsprozess stellen neue Herausforderungen dar. Der Wandel betrifft nicht nur die Zahnmedizin, sondern auch die Zahntechnik, da davon ausgegangen werden kann, dass in 25 Jahren 80 % weniger Zahntechniker zur Verfügung stehen könnten. Sicherlich wird die Digitalisierung zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, allerdings hat Deutschland als Innovationsstandort in der Dentalbranche an Bedeutung verloren. Mit Breuers Motto „Die Zukunft wird immer besser sein als die Vergangenheit war!“ lässt sich sicherlich positiv in eine interessante Zukunft - verbunden mit steigenden Anforderungen -blicken.

Prof. Dr. Dr. Gellrich von der Medizinischen Hochschule Hannover referierte im Anschluss zum Thema „Patientenspezifische gesinterte und funktionalisierte Implantate“ und stellte Möglichkeiten vor, auch Patienten mit großen Kieferdefekten suffizient versorgen zu können. Dabei bedeuten nicht nur Tumor- und Trauma Patienten eine große Herausforderung, sondern eben auch Patienten mit gescheiterten Implantatversorgungen und entsprechend großen Kieferdefekten. Eindrucksvolle Bilder großer Implantate, die gefühlt eine Mischung aus Blattimplantaten und Osteosyntheseplatten darstellen, untermauerten die bestehenden Möglichkeiten. Eine belastungsferne Abstützung/Befestigung, eine maschinierte Oberfläche beim Schleimhautdurchtritt und eine Separierung anatomischer Strukturen bei der Versorgung sorgen für verlässliche Prognosen und sehr gute Langzeitergebnisse.

Nach der Pause stellte Zahntechniker Udo Plaster mit seinem Vortrag „Digitalisierung der Zahnmedizin - neue Techniken“ sehr anschaulich und mit vielen Patientenfällen und Bildern den aktuellen Stand der digitalen Zahnmedizin und Zahntechnik dar und betonte die Wichtigkeit entsprechender Schnittstellen und Weitergabe von „Patienteninformationen“ an den Zahntechniker. Nur mit Scans und Bissregistraten (analog oder digital) lassen sich noch keine detaillierten dreidimensionalen Aussagen treffen. Mit entsprechender Vorarbeit und Auswertung der gewonnenen digitalen Informationen lassen sich passgenaue Versorgungen herstellen, die viele Anproben am Patienten und Änderungen im Labor ersparen.

Den Abschluss eines interessanten Fortbildungstages machte Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, der für den kurzfristig verhinderten Prof. Ghanaati eingesprungen ist. Er teilte interessante Einblicke in die „Biologisierung in der zahnärztlichen Chirurgie“ mit und ging auf aktuelle Studien, Möglichkeiten und Grenzen von PRF - Platelet Rich Fibrin ein, wobei gerade bei dem Effekt der Weichsgewebsheilung eine starke Evidenz besteht.

Zum Abschluss bedankte sich die Vorsitzende der BZK Rheinhessen, Frau Dr. Habig-Mika bei allen Teilnehmern und der Geschäftsstelle unter der Leitung von Frau Bockholt für die perfekte Organisation der Jubiläumsfeier und der Fortbildung.


Dr. Jens Vaterrodt
Öffentlichkeitsreferent BZKR

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