Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen

Körperschaft des öffentlichen Rechts

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Referenten für Öffentlichkeitsarbeit


Dr. Boris Henkel

Referent

Heiligkreuzweg 6, 55130 Mainz
Tel.-Praxis: 06131-85061
E-Mail: mail@mainzdent.de

 

Dr. Julia Löwe
Referentin

Carlo-Mierendorff-Straße 39, 67574 Osthofen
Tel.-Praxis: 06242-4110
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Vertreterversammlung der BZKR am 30.11.2022


Am Mittwoch, den 30.11.2022 fand in den Räumlichkeiten der LZK RLP in Mainz die erste ordentliche Vertreterversammlung der Legislaturperiode 2022-2027 statt.

Der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Christopher Köttgen, eröffnete die Tagesordnung mit der Begrüßung der Delegierten.

Unter den Gästen befand sich der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Wilfried Woop, ebenso konnten die Landesvorsitzende des Freien Verbandes in Rheinland-Pfalz, Dr. Ulrike Stern und die Mitglieder des Vorstandes der BZKR begrüßt werden.

Das Gedenken an die Verstorbenen galt zum einen Frau Kollegin Eva Steinbock, die im Alter von nur 52 Jahren verstarb, zum anderen der Zahnärztin Susanne Ohler. Sie verstarb im Alter von 92 Jahren. Aufgrund ihres vielfältigen, langjährigen Engagements für den zahnärztlichen Berufsstand wurde sie mit der Ehrennadel der Bundeszahnärztekammer, sowie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Im Anschluss daran richtete der Präsident der LZK, Dr. Wilfried Woop, ein Grußwort an die Versammlung. Rückblickend auf das Jahr 2022, verdeutlichte er die einschneidenden Auswirkungen des seit dem 24.02.2022 andauernden Krieges in der Ukraine, der neben der humanitär katastrophalen Lage seit seinem Fortdauern auch gravierende wirtschaftliche Folgen nach sich zieht, wie die seit den vergangenen Monaten zu beobachtende starke Verteuerung von Gas und Strom.

In der darauffolgenden Diskussion um die Thematik der seit Jahrzehnten nicht angepassten GOZ-Honorierung verdeutlichte er, dass dies nicht zuletzt dem seit Jahren politisch gewollten Vermeiden einer Mehrbelastung der öffentlichen Hand in Form von dann zu zahlenden Beihilfeleistungen geschuldet sei. Dennoch gäbe es Möglichkeiten, mit den Patientinnen und Patienten eine angemessene Honorierung zu vereinbaren. Die Werkzeuge dafür würden von der LZK zur Verfügung gestellt, nur müssten diese auch von den Kolleginnen und Kollegen in die Hand genommen werden.

Als weiterer Redebeitrag folgte das Grußwort der FVDZ-Landesvorsitzenden Dr. Ulrike Stern, die auf die Möglichkeiten der Fortbildung im Rahmen der durch den Freien Verband organisierten Veranstaltungen hinwies und dazu ermunterte, diese im Sinne der eigenen Freiberuflichkeit wahrzunehmen.

An die Grußworte schloss sich der Bericht der Vorstandsvorsitzenden der Bezirkszahn­ärztekammer Rheinhessen, Dr. Andrea Habig-Mika über das Geschäftsjahr 2022 an.

Im Focus ihrer Ausführungen stand zunächst das umstrittene GKV-Finanzstabilisierungsgesetz mit seinen nachteiligen Auswirkungen, insbesondere auf die Parodontitis-Behandlung, welches sie als einen Angriff auf die Zahnärzteschaft und auch auf die Patientenversorgung bezeichnete. Des Weiteren, so Dr. Habig-Mika, stünden auch aufgrund von explodierenden Energiepreisen und hoher Inflation die zahnärztlichen Praxen vor einer ungewissen Zukunft, in der auch eine angemessene Entlohnung des Praxispersonals erschwert werde. Daher habe die Bundesversammlung der BZÄK mit ihrer Resolution zu Recht gefordert: „Respekt für die Zahnmedizin“ und angemahnt: „Das Maß ist voll!“

Als weiteres Thema beleuchtete Habig-Mika in ihrem Referat die Kammerwahlen 2022, deren Analyse bezüglich der Wahlbeteiligung ergeben habe, dass sowohl im Bezirk der Universität (ZMK-Klinik), als auch bei den jüngeren Wählern insgesamt ein positiver Trend zu verzeichnen war, wohingegen die Beteiligung der älteren Wähler in etwa gleichem Maße sank. Als mögliche Ursachen für den Rückgang, gerade in Mainz, nannte sie unter anderem die Corona-bedingten Einschränkungen bei Zusammenkünften wie Kreisgruppen oder ähnlichem. Sie schloss mit der Hoffnung, dass im Zuge einer gesteigerten Anerkennung der geleisteten Kammerarbeit die Wahlbeteiligung in Zukunft wieder steige.

Schließlich wand sich die BZKR-Vorsitzende der Dauerproblematik der ZFA-Ausbildung zu. So sei der Fachkräftemangel zu einem zentralen Thema auf allen standespolitischen Ebenen geworden.

Zur Bewältigung dieser Mangelsituation zählte Dr. Habig-Mika eine Reihe von Aktionen auf, die von der Bezirkszahnärztekammer angeschoben wurden. Zunächst soll die Werbekampagne, die vor mehreren Jahren eingeführt wurde, überarbeitet werden, um die Zielgruppe der möglichen ZFA-Anwärter/innen offensiver anzusprechen. Des Weiteren stellte sie einen Videofilm vor, in dem der ZFA-Beruf auf eine moderne Weise präsentiert wird. Dieser soll mit der Berufsinformationsseite der BZKR verlinkt werden. Außerdem entwickelte sich, angestoßen durch die Aktivitäten des Qualitätskreises der Kolleginnen Dr. Sandra Goedecke und Dr. Birgül Azrak, zu Beginn der Legislaturperiode ein Arbeitskreis zum Thema Ausbildungsförderung. Dieser wirkt u.a. an der Organisation der die Veranstaltung „Treffpunkt-Ausbildung“ am 25.01.2023 mit.

Als nicht zufriedenstellend beurteilte die Vorsitzende den Verlust von 42,3% der Auszubildenden während der Ausbildungszeit und auch die Abschlussnoten mit konstant schwachem Niveau. Um dem entgegenzuwirken, wurden zahlreiche Kurse durchgeführt und eine „Dummy-Prüfung“ eingerichtet. Auf diese Weise versucht die Kammer, den Auszubildenden möglichst ein Grundgerüst für strukturelles Arbeiten mitzugegeben.

Abschließend berichtete Dr. Habig-Mika von einem Treffen der Öffentlichkeitsbeauftragten der Kammern in Rheinland-Pfalz beim ZDF, wo neben einer interessanten Besichtigung auch ein Seminar mit der Journalistin Miriam Elmers über Medien-kompetentes Arbeiten auf dem Programm stand. In diesem Zusammenhang erwähnte die Vorsitzende auch die Idee der möglichen Einrichtung einer Podcast-Folge durch die Kammer.

Die BZKR-Vorsitzende schloss ihre Ausführungen mit dem Dank an alle Kollegen im Vorstand, den Vorsitzenden der Vertreterversammlung und den Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle.

In der Diskussion, die nach diesem Vortrag stattfand, ging es noch einmal intensiv um die Frage der zukünftigen Honorierung der Parodontal-Behandlungen. Die Delegierte und zugleich neu gewählte rheinland-pfälzische KZV-Vorsitzende Dr. Christine Ehrhardt informierte darüber, dass aufgrund der günstigen Vertragslage in Rheinland-Pfalz Parodontal-Behandlungen im kommenden Jahr nicht eingeschränkt werden müssen. 

Der danach über das GOZ-Abrechnungswesen referierende stellvertretende Vorsitzende der BZKR, PD Dr. Dan Brüllmann, betonte in seinen Ausführungen, dass es durchaus wichtig sei, vom Angebot der Beratung durch die Kammer in GOZ-Angelegenheiten Gebrauch zu machen und bot an, gerne für Anfragen aus der Kollegenschaft zur Verfügung zu stehen.

In der daran anschließenden Diskussion der vorangegangenen Redebeiträge, in denen es schwerpunktmäßig um den Fachkräftemangel ging, verdeutlichte Oberarzt Dr. Helmut Dietrich, dass es nicht ausreiche, den Fokus ausschließlich auf weibliche Auszubildende zu legen, sondern auch männliche Auszubildende zum Zuge kommen müssten. Schließlich gebe es z.B. auch Krankenpfleger. So müsse auch diese Ressource genutzt werden, um die unzureichende Nachfrage für den zahnärztlichen Assistenzberuf auszugleichen.

Die Vertreterversammlung verabschiedete auch in diesem Jahr durch den Vorstand der BZKR eingebrachte Anträge. So werden im ersten Leitantrag unter dem Betreff „Zahnmedizin fordert faire Rahmenbedingungen und mehr Respekt gegenüber dem Berufsstand“, auch im Interesse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Beendigung der Blockade beim Anheben der GOZ-Punktwertes und der Verzicht auf Budgetierungen verlangt. Der zweite Leitantrag thematisiert die Anpassung des GOZ-Punktwertes, der seit 35 Jahren unverändert ist. Aufgrund von inflationär steigenden Kosten, vor allem auch in Bezug auf das Personal, wird, so der Antragstext, bei fehlender Anpassung eine Schieflage der flächendeckenden Versorgung befürchtet.

Beide Anträge wurden von den Delegierten einstimmig angenommen.

Nach diesem Tagesordnungspunkt referierte der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses, Dr. Hartmut Lingelbach, über die Rechnungsprüfung und die wirtschaftliche Situation der Kammer.

Der daraufhin von ihm erfolgte Antrag zur Entlastung des Vorstandes wurde einstimmig angenommen.

Zur Tagesordnung kam danach die Regelung von Satzungsangelegenheiten. Es wurde diesmal über drei Anträge abgestimmt, die der Vorsitzende des Satzungsausschusses, Dr. Boris Henkel, vorstellte und inhaltlich begründete. Diese sahen Anpassungen und Aktualisierungen betreffend die Notdienst-Ordnung und die Entschädigungsregelung für nicht zahnärztliche Mitglieder in den Ausschüssen der BZKR vor. Alle drei Anträge wurden von den Delegierten der Vertreterversammlung einstimmig angenommen.

Im Anschluss daran berichtete der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Dr. Hans-Jürgen Krebs, ausführlich über den geplanten Haushalt 2023, der ein weiteres maßvolles Abschmelzen der Rücklagen der BZKR vorsieht, wie in der Entscheidung der Vertreterversammlung im Jahr 2014 getroffen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Es folgten die Redebeiträge der Referenten.

Der Referent für Zahnärztliche Fortbildung, Dr. Torsten Conrad, stellte den Fortbildungskalender 2023 vor, wozu hochkarätige wissenschaftliche Vorträge zählen, auch das Colloquium Carnevale kann nach Auskunft des Fortbildungsreferenten im Jahr 2023 erfreulicherweise wieder stattfinden.

Des Weiteren referierte über das ZFA-Ausbildungswesen das zuständige Vorstandsmitglied ZA Matthias Gloede. Er berichtete unter anderem, dass ein neues Format zum engeren Kontakt mit den Auszubildenden aufgelegt wurde. Ein Online-Meeting mit der Bezeichnung „Mit der Kammer im Dialog“ wurde ins Leben gerufen. Dieses wird erstmals am 08.12.2022 stattfinden.

Als nächster Tagesordnungspunkt wurde vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Rheinhessen, Dr. Thomas Klippert, über das Engagement der LAGZ während des vergangenen Jahres berichtet, deren wertvolle Arbeit sich in Form von unterschiedlich durchgeführter Gruppenprophylaxe in Kitas auch im Jahr 2022 bemerkbar machte. Außerdem rege nachgefragt wurden seinen Angaben zufolge Zahnputz-Sets für Kitas und Schulen, die trotz mancher Erschwernisse durch die noch andauernde Corona-Pandemie mit Material versorgt werden konnten. Klippert hob in diesem Zusammenhang das unermüdliche Engagement von Geschäftsleiterin Frau Sabine Steuer hervor.

Als vorletzten Beitrag referierte Dr. Jens Vaterrodt, Stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der Versorgungsanstalt bei der LZK-Rheinland-Pfalz, über die Situation der VA. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass sich steigende Zinsen begünstigend auf den Erwerb risikoärmerer und besser verzinster Anleihen auswirkt. So sind Renditen von bis zu 4% möglich. Demzufolge bleibt das Ziel der Versorgungsanstalt, Leistungen auch unter widrigen Umständen zu dynamisieren. Des Weiteren berichtete Vaterrodt über die Einführung eines digitalen Mitgliederportals, das die Kommunikation der Mitglieder mit der Versorgungsanstalt erheblich erleichtern soll.

Die Vorsitzende der BZKR ergriff zum Ende der Versammlung noch einmal das Wort und bekräftigte ihre Freude, sich im Sinne der rheinhessischen Zahnärzteschaft einzubringen und dankte noch einmal für die allgemein gute Zusammenarbeit. Der Versammlungsleiter Dr. Christopher Köttgen beendete die Versammlung und verabschiedete die Delegierten.

 

Dr. Boris Henkel
Öffentlichkeitsreferent BZKR

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75+1 Jahre Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen

Festakt am 24.09.2021

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von links im Bild:

Dr. Wilfried Woop, Präsident der LZK RLP
Dr. Andrea Habig-Mika, Vorsitzende BZKR
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Stadt Mainz
PD Dr. Dan Brüllmann, stv. Vorsitzender BZKR
ZA Marcus Koller, Vorsitzender KZV RLP

 

Nach der Pandemie-bedingten Verzögerung von einem Jahr, konnte am 24. September 2021 die Feier zum 75jährigen Jubiläum der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen nachgeholt werden. Über hundert Gratulanten aus nah und fern fanden sich hierfür in der Alten Lokhalle in Mainz ein, um auf dieses bedeutende Ereignis im Rahmen eines Sektempfanges mit Festakt anzustoßen.

In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Michael Ebling die Tugenden, die dafür nötig waren, um in den vom Krieg hinterlassenen Trümmern, wovon gerade besonders Mainz gezeichnet war, Aufbauarbeit zu leisten: Geduld, Flexibilität, Entschlossenheit und Zuversicht. Schließlich, so der OB, habe es an allem gefehlt. Um Mainz zu einem renommierten Gesundheitsstandort zu machen, sei ein hoher Einsatz nötig gewesen, den auch viele ehrenamtlich tätigen Persönlichkeiten geleistet hätten.

Ebling stellte fest, dass Mainz auf dem Sektor der medizinischen Versorgung hervorragend aufgestellt sei, auch dank bahnbrechender Erfindungen. In diesem Zusammenhang erwähnte er den schon immer hier ansässigen Innovationsgeist und schlug einen großen Bogen von Gutenberg bis hin zu BioNTech. Dabei, so der OB, gingen auch Zahnärzte und Zahnärztinnen neue Wege.

Im Anschluss an die Worte des Oberbürgermeisters folgte der Vortrag des Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. Wilfried Woop. Er hob hervor, dass im Vorfeld der BZKR zunächst die „Zahnärztlich-Dentistische Arbeitsgemeinschaft“ stand, deren Urheber Dr. Fritz Gödtel aus Wöllstein war. Bald darauf habe mit dem Ende des Dualismus von Zahnärzten und Dentisten, die eigentliche Geburtsstunde der BZKR geschlagen.

Doch zunächst wies Woop auf die Ursprünge der ärztlichen Selbstverwaltung hin, an die sich später die zahnärztliche anlehnte. In einem geschichtlichen Rückblick stellte er fest, dass diese bereits vor ca. 160 Jahren, im Großherzogtum Baden 1864 begann, als nach der gescheiterten Revolution 1848 Ärzte für sich das Recht zur Selbstverwaltung gegen den Obrigkeitsstaat behaupteten und sich dies im weiteren Verlauf für alle Seiten als sinnvoll herausstellte. Das Recht auf Eigenständigkeit, so Woop, beinhaltete sogleich die Pflicht, im Spannungsfeld von Interessenvertretung und Gemeinwohl, die Bevölkerung im Rahmen der Gesundheitsversorgung nicht wirtschaftlich zu überfordern.     

Woop führte weiter aus, dass diese Gemeinwohlverpflichtung eine „zentrale Richtschnur“ sei, an der sich die Freiberuflichkeit zu orientieren habe. In diesem Zusammenhang, die Pflichten der Freiberuflichkeit betreffend, zitierte Woop aus einem früheren Editorial den ehemaligen BZKR-Vorsitzenden und Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zahnärzte, Dr. Horst Sebastian: „Manch einer vergisst, dass Freiheit ohne Treue zur eingegangenen Verpflichtung und ohne Verantwortung für die Gesellschaft nicht möglich ist“.

Diese mahnenden Worte im Sinn, wagte Woop einen Blick in die Zukunft: Es gelte, sich den heutigen Aufgaben zu stellen und vor dem Hintergrund des ständigen Wandels von Gesellschaft, Demografie und EU-Vorgaben, die Selbstverwaltung ständig zu verbessern und damit den Berufsstand mit zu gestalten. Zum Abschluss seiner Rede betonte Woop, es seien herausfordernde Zeiten, die es zu gestalten gebe und dabei spannend und lebenswert seien. Dabei spiele zugleich die Tradition eine tragende Rolle.

Die daran anschließende Festansprache hielt die Vorsitzende der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen, Frau Dr. Andrea Habig-Mika. Sie begann ihren Vortrag in Anlehnung an die Worte des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim anlässlich des 50jährigen Bestehens der Ärztekammer Nordbaden, dass am Anfang Untergang, Versagen und Schuld gestanden habe und auf den Schuttbergen Neues errichtet worden sei. Sie erinnerte an jenen Mittwoch, den 03. Oktober 1945, als nach Genehmigung durch die französischen Besatzer, die neu gegründete BZKR mit dem politisch unbelasteten Dr. Fritz Gödtel an ihrer Spitze, den Weg in die Selbstverwaltung begann.

Die Geschäftsstelle, so Habig-Mika, sei zunächst eine Privatwohnung gewesen, von wo aus alles zu erledigen war, was die Verwaltungsarbeit betraf. Diese Gründungszeit, so Habig-Mika, sei auch geprägt gewesen von der Aufgabe, Dentisten und Zahnärzte zusammenzuführen. Erstere warfen den akademisch ausgebildeten Zahnärzten einen Mangel an technischem Verstand vor, wobei jene den Dentisten Defizite in der Chirurgie vorhielten. Doch im Jahr 1952 sei mit der Umsetzung des Zahnheilkundegesetzes der Dualismus durch ein Kurzstudium der Dentisten und der damit zu erlangenden einheitlichen Berufsbezeichnung „Zahnarzt“ beendet worden.

In ihrer Rückschau betonte Habig-Mika noch einmal die Verdienste des im Jahr 1986 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden Dr. Horst Sebastian, mit dem eine neue Ära in der Selbstverwaltung begonnen habe und hob dabei sein politisches Geschick, taktisches Gespür und seine Intelligenz gepaart mit einer ebenso besonderen Verantwortung für das Gemeinwohl hervor.

Als Leitgedanke zu den Aufgaben der Zahnärzteschaft im Rahmen ihrer Selbstverwaltung führte die Vorsitzende aus, dass Ergebnisse nicht vom Handeln anderer abhängig zu machen seien, sondern von den Zahnärzten selbst. Dabei seien Eigenverantwortung, persönliche Unabhängigkeit, Selbstkontrolle und ein Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit unabdingbar, um einer Instrumentalisierung durch andere Berufsgruppen zu begegnen.

Dr. Habig-Mika war es ein wichtiges Anliegen, auch die Nachfolger von Dr. Sebastian, nämlich Dr. Bernd Stern und Dr. Klaus Bernauer, den Ehrenvorsitzenden der BZKR und auch Sanitätsrat Dr. Rüdiger Krebs, den ehemaligen Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, als ebensolche Vorbilder der Freiberuflichkeit mit aufzuzählen.

In der Schlussphase ihres Vortrages appellierte die Vorsitzende an die Anwesenden, die damit verbundenen Werte nicht verloren gehen zu lassen und die Kammer als unverzichtbare Institution der Selbstverwaltung und damit als ein wichtiges Privileg zu begreifen. Dieses Privileg erfordere die solidarische, gemeinschaftliche Mitwirkung aller. Nur so könne sie alle ihre umfassenden Aufgaben im Sinne der Zahnärzteschaft erfüllen. Sie beendete ihre Ausführungen mit einem Dank an alle, die sich in die Arbeit der Kammer einbringen.

Nachdem nun die Redebeiträge der mit viel Applaus bedachten Laudatoren abgeschlossen waren, schloss sich noch ein abschließender Vortrag der Moderatorin Patricia Küll an, die zuvor in lebendiger Art durch das Programm geführt hatte. Sie verließ nun diesen Part und schlüpfte in ihre neue Rolle als Coach.

Patricia Küll, vielen bereits bekannt aus der SWR-Landesschau, Buchautorin und Ratgeberin, widmete sich in ihrem Beitrag dem Thema „Entscheidungen treffen“. Die „Kraft der guten Entscheidung“ hob sie als wichtigen Faktor von Lebenszufriedenheit hervor und gab dazu Beispiele aus der Gesellschaft, sowie auch aus eigener Erfahrung. In einer heiteren, interaktiven Vortragsart verdeutlichte sie, dass es nicht darauf ankomme, dass eine Entscheidung „perfekt“, sondern der Situation angepasst und damit richtig sei. Dafür dürfe man sich nicht selbst mit eigenen, vielleicht überhöhten Ansprüchen im Wege stehen, sondern solle die Verhältnismäßigkeit berücksichtigen. Mit humorvollen Zwischeneinlagen unterstrich sie, dass auch Fehlentscheidungen von Wert sein könnten, denn „Umwege erhöhen die Ortskenntnisse“. Sie stellte dabei aber auch klar, dass wir „mehr in der Hand haben, als wir glauben“. Ihren unterhaltsamen Beitrag schloss Küll mit einer Weisheit, die auch im Hinblick auf die Wahl zwischen freiberuflicher Selbstverwaltung oder staatlicher Bevormundung und die daraus sich ergebenden Konsequenzen als vielsagend gelten kann: „Ein Wunsch ist nichts, aber eine Entscheidung ist alles!“

Die wohlorganisierte, gelungene Festveranstaltung klang aus mit jazzigen Rhythmen der Gruppe „Swinging Soul“, sowie guten Gesprächen bei rheinhessischem Wein.

 

Dr. Boris Henkel
stellv. Öffentlichkeitsreferent BZKR

Jubiläumsfortbildung am 25.09.2021

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Am Samstag, dem 25. September 2021 fand der zweite Teil der Festlichkeiten zum 75+1. Jahr des Bestehens der BZK Rheinhessen in Form einer Jubliäumsfortbildung in der Alten Lokhalle in Mainz statt.

Den Anfang rund um das Thema „High-Tech & Innovationen in der Zahnmedizin“ machte Prof. Dr. Breuer aus Berlin mit seinem Vortrag „Innovationen in der Zahnmedizin allgemein“ und stellte klar, dass mit Digitalisierung nicht allein die Verwendung eines Intraoralscanners in der Zahnmedizin gemeint sein kann. Demographie, zahnärztliche Ausbildung, ein veränderter Dentalmarkt, die sich verändernden Praxisstrukturen und eben auch der Digitalisierungsprozess stellen neue Herausforderungen dar. Der Wandel betrifft nicht nur die Zahnmedizin, sondern auch die Zahntechnik, da davon ausgegangen werden kann, dass in 25 Jahren 80 % weniger Zahntechniker zur Verfügung stehen könnten. Sicherlich wird die Digitalisierung zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, allerdings hat Deutschland als Innovationsstandort in der Dentalbranche an Bedeutung verloren. Mit Breuers Motto „Die Zukunft wird immer besser sein als die Vergangenheit war!“ lässt sich sicherlich positiv in eine interessante Zukunft - verbunden mit steigenden Anforderungen -blicken.

Prof. Dr. Dr. Gellrich von der Medizinischen Hochschule Hannover referierte im Anschluss zum Thema „Patientenspezifische gesinterte und funktionalisierte Implantate“ und stellte Möglichkeiten vor, auch Patienten mit großen Kieferdefekten suffizient versorgen zu können. Dabei bedeuten nicht nur Tumor- und Trauma Patienten eine große Herausforderung, sondern eben auch Patienten mit gescheiterten Implantatversorgungen und entsprechend großen Kieferdefekten. Eindrucksvolle Bilder großer Implantate, die gefühlt eine Mischung aus Blattimplantaten und Osteosyntheseplatten darstellen, untermauerten die bestehenden Möglichkeiten. Eine belastungsferne Abstützung/Befestigung, eine maschinierte Oberfläche beim Schleimhautdurchtritt und eine Separierung anatomischer Strukturen bei der Versorgung sorgen für verlässliche Prognosen und sehr gute Langzeitergebnisse.

Nach der Pause stellte Zahntechniker Udo Plaster mit seinem Vortrag „Digitalisierung der Zahnmedizin - neue Techniken“ sehr anschaulich und mit vielen Patientenfällen und Bildern den aktuellen Stand der digitalen Zahnmedizin und Zahntechnik dar und betonte die Wichtigkeit entsprechender Schnittstellen und Weitergabe von „Patienteninformationen“ an den Zahntechniker. Nur mit Scans und Bissregistraten (analog oder digital) lassen sich noch keine detaillierten dreidimensionalen Aussagen treffen. Mit entsprechender Vorarbeit und Auswertung der gewonnenen digitalen Informationen lassen sich passgenaue Versorgungen herstellen, die viele Anproben am Patienten und Änderungen im Labor ersparen.

Den Abschluss eines interessanten Fortbildungstages machte Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, der für den kurzfristig verhinderten Prof. Ghanaati eingesprungen ist. Er teilte interessante Einblicke in die „Biologisierung in der zahnärztlichen Chirurgie“ mit und ging auf aktuelle Studien, Möglichkeiten und Grenzen von PRF - Platelet Rich Fibrin ein, wobei gerade bei dem Effekt der Weichsgewebsheilung eine starke Evidenz besteht.

Zum Abschluss bedankte sich die Vorsitzende der BZK Rheinhessen, Frau Dr. Habig-Mika bei allen Teilnehmern und der Geschäftsstelle unter der Leitung von Frau Bockholt für die perfekte Organisation der Jubiläumsfeier und der Fortbildung.


Dr. Jens Vaterrodt
Öffentlichkeitsreferent BZKR

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