Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen

Körperschaft des öffentlichen Rechts

 

Referenten für Öffentlichkeitsarbeit


Dr. Boris Henkel

Referent

Heiligkreuzweg 6, 55130 Mainz
Tel.-Praxis: 06131-85061
E-Mail: mail@mainzdent.de

 

Dr. Julia Löwe
Referentin

Carlo-Mierendorff-Straße 39, 67574 Osthofen
Tel.-Praxis: 06242-4110
E-Mail: bzk.rheinhessen@bzkr.de


Foto

Vertreterversammlung der BZKR am 24.11.2021 im Favorite Parkhotel Mainz

Foto

Am Mittwoch, den 24.11.2021 fand in Mainz die fünfte und letzte ordentliche Vertreterversammlung der Legislaturperiode 2017-2022 statt. Die Versammlung musste aufgrund der Corona-Pandemie wieder unter besonderen Hygieneregeln abgehalten werden.

Der Vorsitzende der Versammlung, Dr. Christopher Köttgen, eröffnete die Tagesordnung mit der Begrüßung der Delegierten.

Unter den Gästen befanden sich der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Wilfried Woop, sowie sein Vorgänger im Amt, San.-Rat Dr. Michael Rumpf. Ebenso konnten die Landesvorsitzende RLP des Freien Verbandes, Dr. Ulrike Stern und die Mitglieder des Vorstandes der BZKR begrüßt werden.

Das Gedenken an die Verstorbenen galt den Kollegen:

Dr. Willibald Habig verstarb am 20.09.2021. Er war Gutachter für Prothetik und PAR, Mitglied im Vertragsausschuss der KZVR und lange Jahre Mitglied der Vertreterversammlung der KZVR.

Dr. Rudolf Henkel war in vielen Gremien für die Kollegenschaft in Rheinhessen aktiv, u.a. war er Gutachter, Obergutachter, ehrenamtlicher Richter, Obmann in Kindergärten und Leiter der Widerspruchsstelle. Ebenso war er überregional durch sein Engagement in der Fastnacht und für seine geschliffenen und pointierten Vorträge bekannt. Er verstarb am 24.03.2021.

ZA Erich Pasemann war Träger der Ehrennadel der Deutschen Zahnärzteschaft und in diversen Ausschüssen von Kammer und KZV für die Kolleginnen und Kollegen aktiv.

Mit den Kollegen Henkel, Habig und Pasemann verlieren die Rheinhessischen Kolleginnen und Kolleginnen herausragende und überdurchschnittlich engagierte standespolitische Vertreter.

Im Anschluss daran richtete der Präsident der LZK, Dr. Wilfried Woop, ein Grußwort an die Versammlung. Er erinnerte daran, dass das Jahr 2021 nicht nur von der Pandemie, sondern auch von der Flutkatastrophe im Ahrtal überschattet war, wodurch auch einige dort ansässige Kolleginnen und Kollegen ihre Praxis verloren haben und teilweise in der Existenz bedroht sind. Als weiteres, einschneidendes Ereignis der vergangenen Monate nannte der Präsident die Bundestagswahlen und machte klar, dass auch für die FDP als eigentlicher Fürsprecher der Freiberuflichkeit, die Gesundheitspolitik nicht an erster Stelle stehe. Umso mehr käme es darauf an, dass die Zahnärzte sich nicht selbst gefährden, indem sie mit Investoren-MVZ Formen wählen, die nichts mit Freiberuflichkeit zu tun haben. Was Über-Ökonomisierung bewirke, könne im Krankenhaussektor besichtigt werden.

Auf die zum Ende des Grußwortes gestellte Frage des Versammlungsleiters Köttgen, ob es irgendwann noch eine Chance auf eine angemessene GOZ-Honorierung gebe, gab Woop zu verstehen, dass ein finanzieller Anspruch auf eine Erhöhung nur aus der Position der Freiberuflichkeit zu begründen sei, von Seiten der BZÄK daran gearbeitet werde, allerdings wenig Hoffnung bestehe.

Als weiterer Redebeitrag folgte das Grußwort der FVDZ-Landesvorsitzenden Dr. Ulrike Stern. Eindringlich hob sie hervor, dass Freiberuflichkeit ein Wert sei, der in der Haltung bestehe, frei beruflich tätig zu sein. Es gelte, die jungen Kolleginnen und Kollegen darin zu ermutigen, eine Niederlassung in freier Praxis anzustreben. Dieses Ziel werde in dieser Generation noch immer verfolgt, auch wenn es im Gegensatz zu früher, zumeist nicht gleich nach Ende der Assistenzzeit realisiert werde, dies zeigen auch entsprechende Umfragen des Freien Verbandes.

Als wichtig sah es Stern an, dass die Freiberuflichkeit den Rahmen bilde, der von den Kolleginnen und Kollegen mit Inhalten gefüllt werden müsse. Diesen Rahmen gelte es groß zu halten. In der mit Woop übereinstimmenden Erkenntnis, dass iMVZ schädlich für die Freiberuflichkeit seien, beendete Stern ihr Grußwort mit dem Appell, zum Erhalt des Wertes der Freiberuflichkeit alle Kräfte zu bündeln, an einem Strang zu ziehen und mit einer Stimme zu sprechen.

An die Grußworte schloss sich der Bericht der Vorstandsvorsitzenden Dr. Andrea Habig-Mika über das laufende Geschäftsjahr 2021 an.

Sie begann ihren Vortrag mit einem Hinweis auf die durch den Vorstand der Bundeszahnärztekammer an die Bundesversammlung gerichtete sog. Karlsruher Erklärung, welche angesichts der seit Jahrzehnten fehlenden Punktwertanhebung dazu auffordert, die GOZ in gewissem Sinne neu zu denken, was auch bedeutet, den gesetzlich möglichen Rahmen im Sinne einer angemessenen Honorierung auszuschöpfen.

In ihrem Rückblick auf das, auch von der Pandemie geprägte vergangene Jahr, stellte Habig-Mika zudem fest, dass im Gegensatz zu 2020, als es vornehmlich um die Beschaffung von Hygiene-Material ging, im nun ablaufenden Jahr, der Bedarf an Information durch die Mitglieder an die Kammer im Fokus gestanden habe.

Als weiteren wichtigen Punkt beleuchtete die Vorsitzende das Thema ZFA-Ausbildung: Obwohl die Zahl der Ausbildungsverträge wieder ansteigend sei, belaufe sich der Gesamtverlust an Auszubildenden zwischen 50 und 60 Prozent. Angesichts der beklagenswerten Situation, dass ca. ein Viertel eines Jahrgangs kaum eine Chance habe, die Ausbildung abzuschließen, gebe es mittlerweile eine Reihe von durch die Kammer angebotenen Formate, wie Schulungen, Workshops, Seminare und Prüfungs-Probeläufe (aktuell in Planung). Man stehe laufend auch in Kontakt mit den Schulen, um eine praxisorientierte Ausbildung und Prüfung zu gewährleisten, was allerdings nicht immer einfach sei.

Auch sei es wichtig, das Image der ZFA-Ausbildung zu verbessern, was die regelmäßig veröffentlichte DGB-Studie zeige, in der der ZFA-Beruf als eines der Schlusslichter in der Ausbildungsqualität dargestellt sei.

Zur hierfür notwendigen Verbesserung trage unter anderem auch ein strukturierter Plan seitens der ausbildenden Praxis mit der ebenso wichtigen Einrichtung von ständigen Ansprechpartnern bei.

Als bedeutsame, qualitätssteigernde Neuigkeit in diesem Zusammenhang, erwähnte Habig-Mika auch, dass die mit dem Ausbildungswesen in der BZKR betraute Mitarbeiterin, Frau Tatjana Schernikau, mittlerweile den Abschluss zur Mediatorin erlangt habe und so eine wichtige Beratungsfunktion wahrnehmen könne.

In ihren weiteren Ausführungen kam die Vorsitzende auf die Stellenbörse zu sprechen und verdeutlichte die Gefahr, dass iMVZ diese dominieren. Um kleineren Praxen die faire Möglichkeit zu geben, sich ebenfalls sichtbar vorzustellen, wurden die Nutzungsbedingungen weiter verschärft und nur noch drei Inserate pro Anbieter zugelassen.

Beendet wurde der Vortrag mit dem Hinweis, dass das von der LZK editierte Zahnärzteblatt zukünftig noch mehr auf den Informationsbedarf der Kollegen achten wolle und dafür entsprechende Aktionen im kommenden Jahr vorgesehen seien.

Der danach referierende stellvertretende Vorsitzende der BZKR, PD Dr. Dan Brüllmann berichtete aus seinem Aufgabenbereich, der u.a. Fragen um die GOZ-Abrechnung umfasst. So stellte Brüllmann klar, dass, im Gegensatz zur Annahme einiger Sacharbeiter in PK-Versicherungen, die Beurteilung von Kronenrändern auf einem OPG wissenschaftlich nicht möglich ist.

Als weiterer wichtiger Punkt im Ablauf der Versammlung erfolgte die Ehrung der Verwaltungsmitarbeiterinnen unter der Leitung von Frau Geschäftsführerin Joanna Bockholt, denen für ihre herausragende Unterstützung der BZKR gedankt wurde.

Die daran anschließende Diskussion der vorangegangenen Redebeiträge, beleuchtete die Lage der Ausbildung in der Universitäts-Zahnklinik. Oberarzt Dr. Helmut Dietrich verdeutlichte, dass durch die Corona-Pandemie die Bedingungen stark gelitten hätten, da aufgrund des Mangels an Patienten viele Praxiskurse auf ein Patienten-Phantom ausweichen mussten. Auch die neue Approbationsordnung führe in Mainz eher zu einer Reduzierung der praktischen Stunden am Patienten - ein unhaltbarer Zustand - so Dietrich.

Der Präsident der LZK, Dr. Woop sagte zu, sich der wichtigen Thematik anzunehmen.

Nach diesem Tagesordnungspunkt referierte der Vorsitzende des Rechnungsprüfungsausschusses, Dr. Hartmut Lingelbach, über die Rechnungsprüfung und die wirtschaftliche Situation der Kammer.

Die daraufhin erfolgte Abstimmung zur Entlastung des Vorstandes war einstimmig.

Die Tagesordnung sah nun die Regelung von Satzungsangelegenheiten vor. Dazu stellte der Vorsitzende des Satzungsausschusses, Dr. Boris Henkel u.a. den Antrag auf Änderung der Systematik der Beitragsgruppen. Dieses war von der Vertreterversammlung im Zuge intensiver Diskussionen im Jahr 2020 beauftragt worden. Die Tabelle wurde so während des Jahres 2021 im Interesse der Beitragsgerechtigkeit revidiert, was zu einer neuen Fassung führte. Gerade die Einordnung der in der Mainzer Universitätsmedizin angestellten Zahnärzte und Zahnärzten hat immer wieder zu intensiven Diskussionen geführt. Die BZKR folgt mit der Neuordnung der Beitragstabelle der Landeszahnärztekammer, die diese ebenso in ihrer Vertreterversammlung bereits beschlossen hatte. Der Antragsvorschlag wurde bei einer Gegenstimme befürwortet.

Im Anschluss daran berichtete der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Dr. Hans-Jürgen Krebs, ausführlich über den geplanten Haushalt 2022, der ein weiteres maßvolles Abschmelzen des Kapitals der BZKR vorsieht, wie in der Entscheidung der Vertreterversammlung im Jahr 2014 getroffen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen.

Es folgten die die Redebeiträge der Referenten.

Der Referent für Zahnärztliche Fortbildung, Dr. Torsten Conrad, stellte den Fortbildungskalender 2022 vor, wozu hochkarätige wissenschaftliche Vorträge zu den Themen „Diagnostik von Mundschleimhaut-Veränderungen“, „Zahntraumata“ und „Leitlinien zur periimplantären Infektion“ zählen. Das Colloquium Carnevale kann nach Auskunft des Fortbildungsreferenten im Jahr 2022 aus Pandemie-Gründen leider nicht stattfinden.

Im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Conrad, berichtete der Referent für das ZFA-Ausbildungswesen, Dr. Hubertus Utz, dass von den Auszubildenden 72 Prozent die Prüfung bestanden haben und andere Studienergebnisse als die vom DGB, eine höhere Berufszufriedenheit bei den ZFA belegen. Utz nannte in diesem Zusammenhang ein gutes Betriebsklima in den einzelnen Praxen, das untrennbar mit dem Führungsstil des Inhabers zusammenhänge, als Werbung für den ZFA-Beruf.

Der limitierende Faktor für die Praxen sei in Zukunft nicht so sehr das Patientenaufkommen, sondern die Verfügbarkeit von qualifizierten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen.

Dr. Utz verwendete seine abschließenden Worte, um nach jahrzehntelanger Mitwirkung in der BZKR aus Altersgründen seinen Abschied aus dem Vorstand anzukündigen. Mit einem langen Applaus dankten die Delegierten für sein großes Engagement.

Eine intensive Diskussion entwickelte sich anschließend aus der Frage des Delegierten Dr. Michael Hück, wie für die in KFO-Praxen absolvierenden Auszubildenden eine bessere Chancengleichheit bei Prüfungsfragen zu erreichen sei. Hier bestehe eine Benachteiligung aufgrund der Ausbildung in einer Fachpraxis, die zwangsläufig nicht den breiten Kontext der Abrechnungsfelder abdeckt, wie ihn eine allgemein-zahnärztliche Praxis ermöglicht.  

Das Ergebnis der Aussprache, an dem sich viele Mitglieder aus dem Plenum beteiligten, blieb am Ende offen. Insgesamt festgehalten wurde jedoch, dass Sonderregelungen für Auszubildende aus Fachpraxen nicht realisierbar sind. Es gab allerdings einen breiten Konsens darüber, dass dieses Thema eine besondere Beachtung verlangt.

Der Referent für die Ausbildungsberatung, Zahnarzt Matthias Gloede betonte in seinem daran anschließenden Referat die Bedeutung von Wertschätzung den Auszubildenden gegenüber. Wertschätzung zeige sich auch darin, dass die Auszubildenden in den Praxen nicht mit fachfremden Aufgaben überfordert werden. Der Beruf müsse auch langfristig attraktiv gehalten und dafür die Kommunikation auf allen Ebenen vertieft werden.

Als weiterer Tagesordnungspunkt wurde vom LAGZ-Vorsitzenden Dr. Thomas Klippert über die Arbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Rheinhessen berichtet. Leider konnten seinen Angaben zufolge viele Aktivitäten für die Gruppenprophylaxe aus Gründen der Pandemie nicht in dem sonst üblichen Maße stattfinden, wie es in früheren Jahren der Fall war. Weiterhin nachgefragt wurden dennoch Zahnputz-Sets für Kitas und Schulen, die trotz mancher Erschwernisse mit Material versorgt werden konnten. Klippert hob in diesem Zusammenhang das unermüdliche Engagement der Mitarbeiterinnen in der LAGZ-Geschäftsstelle lobend hervor. Abschließend gab auch Klippert bekannt, dass er sich aus Altersgründen zum Ende der Legislaturperiode aus seinem Amt zurückziehe, um jüngeren Kolleginnen und Kollegen Platz zu machen. Der lange Applaus zeigte Wertschätzung und Dank aller Anwesenden für viele Jahre Mitarbeit. Klippert bleibt in seinem Bereich der Jugendzahnpflege nach wie vor verbunden und unterstützend tätig.

Als vorletzten Beitrag referierte Dr. Jens Vaterrodt über das Versorgungswerk. Die Situation des Versorgungsversorgungswerkes ist nach wie vor stabil und die VA in der Lage eine Rendite zu erzielen, die deutlich über dem Rechnungszins liegt. Die bürokratischen Regulierungen nehmen allerdings immer mehr zu, gerade mit dem Hintergrund der Einstufung in die Risikoklasse III nach ABV. Dies war zwar aufgrund der Entwicklung der Anlagen (immer weniger festverzinsliche Wertpapiere) zu erwarten, bedeutet aber höhere personelle, strukturelle und finanzielle Aufwendungen durch bspw. zu erstellende Risikoberichte, ALM-Studien und Stresstests da. VA sei aber gut vorbereitet, so Dr. Vaterrodt.

Die Vorsitzende der BZKR, Dr. Andrea Habig-Mika ergriff zum Ende der Versammlung noch einmal das Wort, um zu einer regen Wahlbeteiligung für die im kommenden Jahr 2022 stattfindenden Kammerwahlen aufzurufen und bedankte sich noch einmal bei Vorstand und Geschäftsführung für die Arbeit während der vergangenen Legislaturperiode. Ergänzt wurden ihre Worte durch das Schlusswort des Versammlungsleiters, Dr. Christopher Köttgen, der mahnend darauf hinwies, dass neben der Bedeutung der zurzeit noch aktiven Kolleginnen und Kollegen, die die Selbstverwaltung aufrechterhalten, auch an die dringliche Einbindung des beruflichen Nachwuchses in die Kammerarbeit zur Sicherung der Zukunft gedacht werden müsse.     

Dr. Jens Vaterrodt
Öffentlichkeitsreferent BZKR

Dr. Boris Henkel
stellv. Öffentlichkeitsreferent BZKR



75+1 Jahre Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen

Festakt am 24.09.2021

Foto

 


von links im Bild:

Dr. Wilfried Woop, Präsident der LZK RLP
Dr. Andrea Habig-Mika, Vorsitzende BZKR
Michael Ebling, Oberbürgermeister der Stadt Mainz
PD Dr. Dan Brüllmann, stv. Vorsitzender BZKR
ZA Marcus Koller, Vorsitzender KZV RLP

 

Nach der Pandemie-bedingten Verzögerung von einem Jahr, konnte am 24. September 2021 die Feier zum 75jährigen Jubiläum der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen nachgeholt werden. Über hundert Gratulanten aus nah und fern fanden sich hierfür in der Alten Lokhalle in Mainz ein, um auf dieses bedeutende Ereignis im Rahmen eines Sektempfanges mit Festakt anzustoßen.

In seinem Grußwort betonte Oberbürgermeister Michael Ebling die Tugenden, die dafür nötig waren, um in den vom Krieg hinterlassenen Trümmern, wovon gerade besonders Mainz gezeichnet war, Aufbauarbeit zu leisten: Geduld, Flexibilität, Entschlossenheit und Zuversicht. Schließlich, so der OB, habe es an allem gefehlt. Um Mainz zu einem renommierten Gesundheitsstandort zu machen, sei ein hoher Einsatz nötig gewesen, den auch viele ehrenamtlich tätigen Persönlichkeiten geleistet hätten.

Ebling stellte fest, dass Mainz auf dem Sektor der medizinischen Versorgung hervorragend aufgestellt sei, auch dank bahnbrechender Erfindungen. In diesem Zusammenhang erwähnte er den schon immer hier ansässigen Innovationsgeist und schlug einen großen Bogen von Gutenberg bis hin zu BioNTech. Dabei, so der OB, gingen auch Zahnärzte und Zahnärztinnen neue Wege.

Im Anschluss an die Worte des Oberbürgermeisters folgte der Vortrag des Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, Dr. Wilfried Woop. Er hob hervor, dass im Vorfeld der BZKR zunächst die „Zahnärztlich-Dentistische Arbeitsgemeinschaft“ stand, deren Urheber Dr. Fritz Gödtel aus Wöllstein war. Bald darauf habe mit dem Ende des Dualismus von Zahnärzten und Dentisten, die eigentliche Geburtsstunde der BZKR geschlagen.

Doch zunächst wies Woop auf die Ursprünge der ärztlichen Selbstverwaltung hin, an die sich später die zahnärztliche anlehnte. In einem geschichtlichen Rückblick stellte er fest, dass diese bereits vor ca. 160 Jahren, im Großherzogtum Baden 1864 begann, als nach der gescheiterten Revolution 1848 Ärzte für sich das Recht zur Selbstverwaltung gegen den Obrigkeitsstaat behaupteten und sich dies im weiteren Verlauf für alle Seiten als sinnvoll herausstellte. Das Recht auf Eigenständigkeit, so Woop, beinhaltete sogleich die Pflicht, im Spannungsfeld von Interessenvertretung und Gemeinwohl, die Bevölkerung im Rahmen der Gesundheitsversorgung nicht wirtschaftlich zu überfordern.     

Woop führte weiter aus, dass diese Gemeinwohlverpflichtung eine „zentrale Richtschnur“ sei, an der sich die Freiberuflichkeit zu orientieren habe. In diesem Zusammenhang, die Pflichten der Freiberuflichkeit betreffend, zitierte Woop aus einem früheren Editorial den ehemaligen BZKR-Vorsitzenden und Präsidenten des Bundesverbandes Deutscher Zahnärzte, Dr. Horst Sebastian: „Manch einer vergisst, dass Freiheit ohne Treue zur eingegangenen Verpflichtung und ohne Verantwortung für die Gesellschaft nicht möglich ist“.

Diese mahnenden Worte im Sinn, wagte Woop einen Blick in die Zukunft: Es gelte, sich den heutigen Aufgaben zu stellen und vor dem Hintergrund des ständigen Wandels von Gesellschaft, Demografie und EU-Vorgaben, die Selbstverwaltung ständig zu verbessern und damit den Berufsstand mit zu gestalten. Zum Abschluss seiner Rede betonte Woop, es seien herausfordernde Zeiten, die es zu gestalten gebe und dabei spannend und lebenswert seien. Dabei spiele zugleich die Tradition eine tragende Rolle.

Die daran anschließende Festansprache hielt die Vorsitzende der Bezirkszahnärztekammer Rheinhessen, Frau Dr. Andrea Habig-Mika. Sie begann ihren Vortrag in Anlehnung an die Worte des Oberbürgermeisters der Stadt Mannheim anlässlich des 50jährigen Bestehens der Ärztekammer Nordbaden, dass am Anfang Untergang, Versagen und Schuld gestanden habe und auf den Schuttbergen Neues errichtet worden sei. Sie erinnerte an jenen Mittwoch, den 03. Oktober 1945, als nach Genehmigung durch die französischen Besatzer, die neu gegründete BZKR mit dem politisch unbelasteten Dr. Fritz Gödtel an ihrer Spitze, den Weg in die Selbstverwaltung begann.

Die Geschäftsstelle, so Habig-Mika, sei zunächst eine Privatwohnung gewesen, von wo aus alles zu erledigen war, was die Verwaltungsarbeit betraf. Diese Gründungszeit, so Habig-Mika, sei auch geprägt gewesen von der Aufgabe, Dentisten und Zahnärzte zusammenzuführen. Erstere warfen den akademisch ausgebildeten Zahnärzten einen Mangel an technischem Verstand vor, wobei jene den Dentisten Defizite in der Chirurgie vorhielten. Doch im Jahr 1952 sei mit der Umsetzung des Zahnheilkundegesetzes der Dualismus durch ein Kurzstudium der Dentisten und der damit zu erlangenden einheitlichen Berufsbezeichnung „Zahnarzt“ beendet worden.

In ihrer Rückschau betonte Habig-Mika noch einmal die Verdienste des im Jahr 1986 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden Dr. Horst Sebastian, mit dem eine neue Ära in der Selbstverwaltung begonnen habe und hob dabei sein politisches Geschick, taktisches Gespür und seine Intelligenz gepaart mit einer ebenso besonderen Verantwortung für das Gemeinwohl hervor.

Als Leitgedanke zu den Aufgaben der Zahnärzteschaft im Rahmen ihrer Selbstverwaltung führte die Vorsitzende aus, dass Ergebnisse nicht vom Handeln anderer abhängig zu machen seien, sondern von den Zahnärzten selbst. Dabei seien Eigenverantwortung, persönliche Unabhängigkeit, Selbstkontrolle und ein Qualitätsanspruch an die eigene Arbeit unabdingbar, um einer Instrumentalisierung durch andere Berufsgruppen zu begegnen.

Dr. Habig-Mika war es ein wichtiges Anliegen, auch die Nachfolger von Dr. Sebastian, nämlich Dr. Bernd Stern und Dr. Klaus Bernauer, den Ehrenvorsitzenden der BZKR und auch Sanitätsrat Dr. Rüdiger Krebs, den ehemaligen Präsidenten der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, als ebensolche Vorbilder der Freiberuflichkeit mit aufzuzählen.

In der Schlussphase ihres Vortrages appellierte die Vorsitzende an die Anwesenden, die damit verbundenen Werte nicht verloren gehen zu lassen und die Kammer als unverzichtbare Institution der Selbstverwaltung und damit als ein wichtiges Privileg zu begreifen. Dieses Privileg erfordere die solidarische, gemeinschaftliche Mitwirkung aller. Nur so könne sie alle ihre umfassenden Aufgaben im Sinne der Zahnärzteschaft erfüllen. Sie beendete ihre Ausführungen mit einem Dank an alle, die sich in die Arbeit der Kammer einbringen.

Nachdem nun die Redebeiträge der mit viel Applaus bedachten Laudatoren abgeschlossen waren, schloss sich noch ein abschließender Vortrag der Moderatorin Patricia Küll an, die zuvor in lebendiger Art durch das Programm geführt hatte. Sie verließ nun diesen Part und schlüpfte in ihre neue Rolle als Coach.

Patricia Küll, vielen bereits bekannt aus der SWR-Landesschau, Buchautorin und Ratgeberin, widmete sich in ihrem Beitrag dem Thema „Entscheidungen treffen“. Die „Kraft der guten Entscheidung“ hob sie als wichtigen Faktor von Lebenszufriedenheit hervor und gab dazu Beispiele aus der Gesellschaft, sowie auch aus eigener Erfahrung. In einer heiteren, interaktiven Vortragsart verdeutlichte sie, dass es nicht darauf ankomme, dass eine Entscheidung „perfekt“, sondern der Situation angepasst und damit richtig sei. Dafür dürfe man sich nicht selbst mit eigenen, vielleicht überhöhten Ansprüchen im Wege stehen, sondern solle die Verhältnismäßigkeit berücksichtigen. Mit humorvollen Zwischeneinlagen unterstrich sie, dass auch Fehlentscheidungen von Wert sein könnten, denn „Umwege erhöhen die Ortskenntnisse“. Sie stellte dabei aber auch klar, dass wir „mehr in der Hand haben, als wir glauben“. Ihren unterhaltsamen Beitrag schloss Küll mit einer Weisheit, die auch im Hinblick auf die Wahl zwischen freiberuflicher Selbstverwaltung oder staatlicher Bevormundung und die daraus sich ergebenden Konsequenzen als vielsagend gelten kann: „Ein Wunsch ist nichts, aber eine Entscheidung ist alles!“

Die wohlorganisierte, gelungene Festveranstaltung klang aus mit jazzigen Rhythmen der Gruppe „Swinging Soul“, sowie guten Gesprächen bei rheinhessischem Wein.

 

Dr. Boris Henkel
stellv. Öffentlichkeitsreferent BZKR

Jubiläumsfortbildung am 25.09.2021

Foto

Am Samstag, dem 25. September 2021 fand der zweite Teil der Festlichkeiten zum 75+1. Jahr des Bestehens der BZK Rheinhessen in Form einer Jubliäumsfortbildung in der Alten Lokhalle in Mainz statt.

Den Anfang rund um das Thema „High-Tech & Innovationen in der Zahnmedizin“ machte Prof. Dr. Breuer aus Berlin mit seinem Vortrag „Innovationen in der Zahnmedizin allgemein“ und stellte klar, dass mit Digitalisierung nicht allein die Verwendung eines Intraoralscanners in der Zahnmedizin gemeint sein kann. Demographie, zahnärztliche Ausbildung, ein veränderter Dentalmarkt, die sich verändernden Praxisstrukturen und eben auch der Digitalisierungsprozess stellen neue Herausforderungen dar. Der Wandel betrifft nicht nur die Zahnmedizin, sondern auch die Zahntechnik, da davon ausgegangen werden kann, dass in 25 Jahren 80 % weniger Zahntechniker zur Verfügung stehen könnten. Sicherlich wird die Digitalisierung zusätzliche Möglichkeiten eröffnen, allerdings hat Deutschland als Innovationsstandort in der Dentalbranche an Bedeutung verloren. Mit Breuers Motto „Die Zukunft wird immer besser sein als die Vergangenheit war!“ lässt sich sicherlich positiv in eine interessante Zukunft - verbunden mit steigenden Anforderungen -blicken.

Prof. Dr. Dr. Gellrich von der Medizinischen Hochschule Hannover referierte im Anschluss zum Thema „Patientenspezifische gesinterte und funktionalisierte Implantate“ und stellte Möglichkeiten vor, auch Patienten mit großen Kieferdefekten suffizient versorgen zu können. Dabei bedeuten nicht nur Tumor- und Trauma Patienten eine große Herausforderung, sondern eben auch Patienten mit gescheiterten Implantatversorgungen und entsprechend großen Kieferdefekten. Eindrucksvolle Bilder großer Implantate, die gefühlt eine Mischung aus Blattimplantaten und Osteosyntheseplatten darstellen, untermauerten die bestehenden Möglichkeiten. Eine belastungsferne Abstützung/Befestigung, eine maschinierte Oberfläche beim Schleimhautdurchtritt und eine Separierung anatomischer Strukturen bei der Versorgung sorgen für verlässliche Prognosen und sehr gute Langzeitergebnisse.

Nach der Pause stellte Zahntechniker Udo Plaster mit seinem Vortrag „Digitalisierung der Zahnmedizin - neue Techniken“ sehr anschaulich und mit vielen Patientenfällen und Bildern den aktuellen Stand der digitalen Zahnmedizin und Zahntechnik dar und betonte die Wichtigkeit entsprechender Schnittstellen und Weitergabe von „Patienteninformationen“ an den Zahntechniker. Nur mit Scans und Bissregistraten (analog oder digital) lassen sich noch keine detaillierten dreidimensionalen Aussagen treffen. Mit entsprechender Vorarbeit und Auswertung der gewonnenen digitalen Informationen lassen sich passgenaue Versorgungen herstellen, die viele Anproben am Patienten und Änderungen im Labor ersparen.

Den Abschluss eines interessanten Fortbildungstages machte Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, der für den kurzfristig verhinderten Prof. Ghanaati eingesprungen ist. Er teilte interessante Einblicke in die „Biologisierung in der zahnärztlichen Chirurgie“ mit und ging auf aktuelle Studien, Möglichkeiten und Grenzen von PRF - Platelet Rich Fibrin ein, wobei gerade bei dem Effekt der Weichsgewebsheilung eine starke Evidenz besteht.

Zum Abschluss bedankte sich die Vorsitzende der BZK Rheinhessen, Frau Dr. Habig-Mika bei allen Teilnehmern und der Geschäftsstelle unter der Leitung von Frau Bockholt für die perfekte Organisation der Jubiläumsfeier und der Fortbildung.


Dr. Jens Vaterrodt
Öffentlichkeitsreferent BZKR

Logo